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Wiesbadener Kurier, 22. September 2005
Letzte Chance auf einen Beruf
Über 80 junge Arbeitslose starten im Bildungszentrum in Hofheim in ein neues Leben
Der Main-Taunus-Kreis steigt verstärkt in die Förderung junger Arbeitsloser ein. Im neu eröffneten Bildungszentrum in Hofheim erhalten sie eine Chance für ihr Berufsleben.
Von Angelika Heyer
450 junge Leute im alter zwischen 15 und 25 Jahren erhalten zurzeit im Main-Taunus-Kreis Arbeitslosengeld II. Ein Drittel von ihnen bekommt aber jetzt die Chance auf eine Berufsausbildung oder die Vorbereitung auf eine Ausbildung. Der Main-Taunus-Kreis hat im Rahmen eines dreijährigen Modellprojekts die Gesellschaft AEG SIGNUM beauftragt, in dem neu eröffneten Bildungszentrum an der Reifenberger Straße überbetriebliche Ausbildungsplätze und Berufsvorbereitungs-Maßnahmen für arbeitslose Jugendliche anzubieten. 81 junge Menschen haben am 1. September bereits die Arbeit aufgenommen, darunter sieben Frauen. Sie werden entweder in einem einjährigen Programm in den Sparten Holz- oder Metallbau, Trockenbau sowie Garten und Landschaftsbau auf die eigentliche Ausbildung vorbereitet oder erlernen in einer dreieinhalbjährigen Ausbildung den Beruf Metallbauer, Anlagenmechaniker oder Elektroanlagenmonteur. Die monatlichen Kosten in Höhe von 550 Euro pro Ausbildungsplatz und 460 Euro pro Berufsvorbereitung werden aus den Mitteln der Eingliederungshilfe des Bundes finanziert.
„Wir haben es zum großen Teil mit außerordentlich motivierten jungen Leuten zu tun“, hat Tom Windschild, einer der Geschäftsführer der AEG SIGNUM, in den ersten vier Wochen beobachtet. Viele von ihnen haben viele abgelehnte Bewerbungen oder abgebrochene Versuche einer Berufsförderung hinter sich, kommen oft aus Familien, die schon lange von Sozialhilfe leben, haben teilweise keine Hauptschulabschluß und „erkennen hier ihre Chance“, sagt Windschild. Er ist optimistisch, dass ein hoher Anteil die Ausbildung durchhalten wird. In den sieben anderen Zentren der AEG SIGNUM (aus den Ausbildungsstätten der früheren AEG hervorgegangen) hätten zum Beispiel in der Berufsvorbereitung etwa 90 Prozent den Sprung in eine Berufsausbildung geschafft. Die hohe Motivation erklärt sich Windschild unter anderem damit, dass den jungen Leuten abverlangt werde, sich an klare Regeln zu halten und ihnen auch Respekt entgegen gebracht wird. Viele seien ganz stolz, dass sie hier zum ersten Mal einen richigen Arbeitsplatz haben.
Für jene jungen Leute, die außerdem noch „soziale Defizite“ haben, gibt es in der Berufsvorbereitung eine besondere Betreuung und Gespräche in der Gruppe. Hier sollen die Jugendlichen zum Beispiel lernen, Konflikte nicht gewaltsam, sondern mit Worten auszutragen oder regelmäßig und pünktlich zur Arbeit zu kommen. Für viele ist das nicht selbstverständlich, erzählen die Ausbilder wie auch die Fallmanager aus dem Sozialamt. Doch dankbar nähmen die meisten der Teilnehmer die klaren Regeln und neuen Aufgaben an.
Als sinnvoll werden auch die Arbeiten empfunden, die die jungen Leute in dem Bildungszentrum zugewiesen bekommen. So werden sie zum Beispiel einen Teil der Einrichtung des Sozialraums selber bauen. Gleich zu Beginn wurden die Auszubildenden in der Elektrosparte in die Verlegung der Leitungen in der Halle mit einbezogen.
Damit die Abschlüsse auch auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind, wurde das neue Projekt mit der Industrie- und Handelskammer und der Kreishandwerkerschaft abgesprochen. Die heimischen Betriebe spielen auch eine wesentliche Rolle in dem Konzept. Zum einen nehmen sie Praktikanten der Berufsvorbereitung und bilden sie bei Zufriedenheit im Idealfall selber weiter aus. Sie können aber auch im Verbund mit dem Bildungszentrum einen Ausbildungsplatz anbieten. Die Einrichtung deckt dann jene Bereiche ab, in denen der Betrieb selbst eine Ausbildung nicht leisten kann.
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